2. Oktober 2010
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Erinnern ist der Preis für Freiheit
Zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung unseres Vaterlandes ist vieles von dem vergessen, was die über 40-jährige Trennung mit sich brachte. An die unzählig geschlagenen Wunden durch die nationalsozialistische Diktatur, den Zweiten Weltkrieg mit all seinen Folgen und die sich nahtlos anschließende Diktatur des Proletariats in der DDR können sich nur die erinnern, die diese Zeiten erlebt und durchstanden haben. Nur sie können Zeugnis davon geben, welche Leiden durch die Verluste menschenrechtlicher Freiheiten ertragen werden mussten. So ist es verständlich, dass die über Jahrzehnte unerfüllt gebliebene Sehnsucht nach Freiheit bei dem überwiegenden Teil der DDR-Bevölkerung zur Triebfeder der Friedlichen Revolution wurde. Die infolgedessen vollzogene Wiedervereinigung Deutschlands am 03. Oktober 1990 ist ein welthistorisch einmaliges Ereignis, da sie ohne Waffengewalt und Blutvergießen erfolgte. Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass Deutschland zwei Weltkriege entfachte, ist dies ein Zeugnis der Friedfertigkeit, zu der das deutsche Volk auch in der Lage ist und das seitdem über die Grenzen Europas ausstrahlt. Darauf können und dürfen wir berechtigter Weise stolz sein. Die Überwindung der sozialistischen Diktatur in der DDR mit Kerzen als "Waffen" ist ebenso ein Zeugnis des Friedens für die ganze Welt. Die Einheit Deutschlands brachte uns die Freiheit! Ohne diese Einheit wäre sie für uns weiterhin nur ein Traum geblieben! Eine weitere Verhärtung der politischen Weltlage hätte die Gefahr der militärischen Konflikte spürbar verschärft. Es ist erfreulich, wenn etwa 75 Prozent der Ostdeutschen nach 20 Jahren mit der Einheit zufrieden sind. Das bedeutet, dass die Mehrheit erkannt hat, dass die mit der Wiedervereinigung erfahrbaren Probleme besser zu verkraften waren, als das Beklagen von Toten und Verwundeten und die Beseitigung von noch mehr Trümmerlandschaften, als sie das sozialistische System uns ohnehin hinterlassen hat. So können wir uns am Tag der Einheit darüber freuen, dass wir die Freiheit erlangt haben. Uns diese Freiheit zu erhalten, mit ihr verantwortungsbewusst umzugehen, das bleibt allerdings eine Aufgabe nicht nur für uns, die wir die Geschichte erlebt haben, sondern auch für unsere Kinder und Enkel. Der Preis für unsere Freiheit besteht letztlich darin, der nachfolgenden Generation die erlebte Geschichte nahe zu bringen. Nur wenn es uns gelingt, unseren Nachkommen die Folgen nationalsozialistischer und sozialistischer Faschismen als Systeme des Unrechts, der Unfreiheit und des Terrors glaubhaft zu vermitteln, hat die Freiheit in Deutschland eine Chance auf Dauerhaftigkeit. Diesen Preis für unsere Freiheit zu zahlen, dazu sollten wir uns am Tag der Einheit 2010 erneut entscheiden. (TLZ 02.10.2010)
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